Vollkommen subjektive Gedanken zu “Die Klimafalle”

Wir sitzen in der “Klimafalle”, behaupten Klimaforscher Hans von Storch und Ethnologe Werner Krauß in ihrem gemeinsamen Buch. Auch ohne zu wissen, was die Autoren schreiben werden, stimmt vermutlich die Mehrheit der Klimainteressierten jedweder Couleur irgendwie zu. Der Untertitel gibt mehr Hinweise, was vom Buch zu erwarten ist, und erntet wahrscheinlich mehr Widersprüche: “Die gefährliche Nähe von Politik und Klimaforschung”.

Vorneweg lässt sich feststellen, dass “Die Klimafalle” eine wichtige Veröffentlichung ist, nicht nur in der deutschsprachigen Klimadebatte. Nicht nur Peter Altmaier auch die Herren Schwabe, Ott und Kauch täten vermutlich gut daran es zu lesen – oder zumindest ihre ReferenteInnen es lesen zu lassen. (Dies gilt natürlich auch für die anderen klimapolitischen Würdenträger der Parteien.) Aber nicht nur Politiker können aus dem Buch einiges mitnehmen. Auch Journalisten und Wissenschaftler sollten aus den Beobachtungen der beiden Autoren Schlussfolgerungen ziehen.

Insbesondere das abschließende Kapitel überzeugt, indem es versucht, einen Ausweg aus der Falle aufzuzeigen. Es betont, dass die politische Fragen im demokratischen Prozess gelöst werden müssen. Die Wissenschaft sollte sich darauf beschränken, aus den eigenen Erkenntnissen, Handlungsoptionen abzuleiten. Das heißt die Wissenschaft sollte nicht anleiten wollen, sondern verschiedene Möglichkeiten ohne Wertung aufzeigen.

Auf dem Weg zu ihren Empfehlungen streifen die Autoren jedes größere Thema, das in den letzten Jahren von alten und neuen Medien in Verbindung zum übergeordneten Klima-Topos besprochen wurde. Darunter finden sich die Geschichte der wissenschaftlichen und kulturellen Klimadiskussion, die populär(-kulturelle) und die kontroversen Seiten der Auseinandersetzung, die Probleme der Politisierung und die Blogosphäre. Hinzu kommt die Re-Evaluierung der kulturellen Dimensionen und Implikationen des Klimas. Neulinge wie auch alte Hasen der Klimadebatte werden aus dem Buch Anregungen ziehen können.

Nachdem all dies beackert wurde, bleibt ein einziger größerer Kritikpunkt. Während die Autoren immer wieder betonen, es handele sich um eine Synthese ihrer beider Beobachtungen durch ihre jeweiligen natur- und kultur-wissenschaftlichen Brillen, so erweckt der Text dennoch häufig den Eindruck, er sei eine “wahre” Erklärung der “Klimafalle”. Auch der Klappentext des Verlags suggeriert eine solche objektive Erklärung. So wünscht man sich aber auch mehr als einmal eine subjektivere und damit vielleicht auch kritischere Sichtweise. Dies mindert aber für den aufmerksamen Leser nicht die Qualität des Buches. Nicht nur die oben genannten Klimaprofis auch die nur nebenbei Klimainteressierten erlangen mittels der “Klimafalle” einen tieferen Einblick in eines der zehn größten Politik- und Wissenschaftsthemen.

Ende —

— oder auch nicht.

Wer die Tätigkeit der Autoren bereits länger verfolgt, wird sich von obiger Themenliste an jene Diskussionspunkte erinnert fühlen, die auf dem Blog “Die Klimazwiebel” verhandelt werden. Das überrascht nicht, wird der Blog doch von beiden und weiteren Mitautoren betrieben. Dies mag dann auch ein kleiner Kritikpunkt sein, dass im Grunde auch ein kontinuierliches Lesen der Klimazwiebel die Mehrheit der Informationen liefern würde. Allerdings erlaubt die Aufarbeitung in Buchform einen deutlich einfacheren Zugang zu den Themen. Vor allem ergibt sich so eine Geschichte, ein logischer Zusammenhang der Argumente. Dies geht in der Zerstückelung des Blogs manchmal unter.

Allerdings gibt es weitere (äußerst subjektive) vornehmlich formale Kritikpunkte an der “Klimafalle”. Beim Lesen schwankte dieser Leser häufig zwischen der Verwunderung, warum dies alles in dieser Länge ausgearbeitet werden muss. Es erscheint vielfach, als hätten die Inhalte auch in einem halb so langen Essay transportiert werden können. Andererseits aber – und dies ist kein Widerspruch – wünscht man sich gelegentlich auch eine deutlich ausführlichere und dennoch lesenswerte Auseinandersetzung mit den einzelnen Themen. In dieser Hinsicht lassen sich einige wünschenswerte inhaltliche Erweiterungen oder Ausdehnungen anführen.

Wie angemerkt sind viele Beobachtungen der Autoren so bereits auf der Klimazwiebel veröffentlicht worden. Dort wie hier folgen die Autoren dem Beispiel des ehrlichen Vermittlers, oder wollen ihm folgen. Der “Honest Broker” propagiert nicht eine Sichtweise, sondern versucht (neue) Optionen aufzuzeigen. In Blog und Buch aber erscheint es (subjektiv), als betonten die Autoren einseitig jene Möglichkeiten, die allgemein weniger Aufmerksamkeit erhalten. Das ist nicht wirklich ein Problem, allerdings wäre es wünschenswert, dies auch offen mitzuteilen.

In dieser (un-)bewussten Betonung einer Sichtweise suggeriert das Buch eine Gültigkeit dieser einen Perspektive. Dies erscheint problematisch, wenn man die Argumente zu diesen Themen unzureichend findet. Ein Beispiel für ein Thema bei dem die Klimazwiebel – und auch die Klimafalle – eine Sichtweise propagiert (oder zumindest suggeriert) sind die “Skandale”, die aus der Climategate-Affäre erwuchsen. So nachvollziehbar hier – und auch zu anderen Themen – die Ansichten der Autoren sind, so wenig sind es doch die einzigen Auffassungen zu den Themen (meiner Meinung nach). In dieser Hinsicht fällt zudem auf, dass die Autoren die berechtigte Kritik am Klima-(Alarmisten-)Establishment sehr offen äußern, sich aber bei der Diskussion der Blogosphäre auf eine relative oberflächliche Beschreibung beschränkt, ohne Inhalte und Positionen der dortigen Big-Player zu bewerten. Insbesondere aufgrund der Popularität manch eines US-amerikanischen Blogs erschiene eine kritische Bewertung durch von Storch und Krauß wünschenswert. Man mag anmerken, dies werde schon genug von anderen getan, allerdings erfährt der Leser dies im Buch eben nicht. So verbleibt ein latent positiver Eindruck.

Die beiden vorhergehenden Paragraphen führen zu zwei weiteren Kritikpunkten. Das Buch führt zwar an verschiedenen Stellen Fussnoten an, allerdings fehlen diese häufiger als das sie vorhanden sind. Besonders bezogen auf die vergangenen, aber immer noch aktuellen, Kontroversen der Klimadebatte fehlt es an Handreichungen an den Leser und an Belegen für die Sichtweisen der Autoren. Andererseits erscheinen die vorhandenen Fußnoten, aber auch die im Text eingeflochtenen Fremdreferenzen, weitgehend beschränkt auf ein erweitertes “Honest Broker”- oder “Klimazwiebel”-Netzwerk. Neben Selbstreferenzen zu Veröffentlichungen von Storchs und Krauß’ beziehen die beiden sich häufig auf Reiner Grundmann, Nico Stehr, Roger Pielke Jr. aber auch Richard Tol und eine Reihe von Gesellschaftswissenschaftlern am Klimacampus der Universität Hamburg.

Diese Kritikpunkte mögen zu einem guten Teil durch Vorwissen und Vormeinungen konditioniert sein. Sie – und einige weitere ähnlich gestrickte Punkte* – schränken jedoch für diesen Leser den Genuss des Buchs ein. Dies ändert nichts an der grundlegenden Empfehlung der “Klimafalle”.

* Wie die Kritik an der Darstellung der Klimathematik in der Wikipedia.

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2 thoughts on “Vollkommen subjektive Gedanken zu “Die Klimafalle”

  1. Meinen eigen Nachfragen zufolge, ist Klimaforschung eine “brotlose Kunst”. Deswegen verdingen sich die meisten “Forscher” fuer politische Zwecke.
    Erinnert man sich: Zuerst war es die “global warming” (mit der die Polithure Al Gore Millionen machte), dann der unweigerliche Kaelte-Tot, der uns befallen sollte. Die Umstellung von Haarsprays auf Gel rettete uns vom Ozon-Loch und das Dosenpfand vom Erstickungstot unter einem Aluminiumberg.
    Die Erde wird von kosmischen Vorgaengen bestimmt und weder eine “Furz-Steuer” fuer Kuehe, noch 4-farbige Muellkontainer wird uns weder retten oder den Untergang dieser arroganten Spezies beschleunigen.
    William James beschribt diese irrationalen populistischen Kampagnen als “the moral equivalent of war”.
    Ich werde dieses Buch sicher lesen.
    Gruesse.
    alphachamber
    [https://www.liberalerfaschismus.wordpress.com]

  2. aha. interessant. für manchen, aber nicht für mich. sorry. und irgendwie auch in der chronologie irgendwie falsch

    ps: der kommentar war im spam – vielleicht fast zurecht.

    OBothe

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