Kältetäler

Auch wenn der deutsche Nordosten vor vierzehn Tagen eine relativ kalte Episode (einfach das Datum im Link entsprechend anpassen) durchlebte, ist der Winter 2013/2014 für Freunde von Schnee und Kälte eher enttäuschend. Vor ziemlich genau einem Monat veröffentliche SpOn einen Artikel von Axel Bojanowski unter dem Titel Wetterstatistik: Vier Kältetäler bis zum Frühling. Dies weckte mein Interesse, wenn auch nicht meinen Ehrgeiz. Um klar zu sein: Dies ist keine Kritik an dem Artikel, sondern nur ein interessierter Blick auf ein paar unrepräsentative Daten.

Kältetäler impliziert für mich, es gibt Perioden, in denen eine verhältnismäßigs Abkühlung vorkommt. Das heißt von Interesse wäre, wie oft eine Periode von sagen wir 5 Tagen von einer relativ zu ihr kälteren Periode gefolgt wird. Oder, um es etwas zu verallgemeinern, man müsste sich für die Zeiträume die Häufigkeitsverteilung der Temperaturen anschauen, also: wie häufig war es zwischen 5. und 10. Januar kalt und wie oft mild. Aber fangen wir einfacher an und gehen der Reihe nach durch den Artikel.

Abbildung 1: Ausschnitt der Jahresgänge für fünftägige nichtüberlappende Mittelwerte für vier ausgewählte Stationen mit Median (durchgezogene Linien), 66% Bereich (gepunktet) , 95% Bereich (gestrichelt). Stationen, siehe Paneltitel.

Abbildung 1: Ausschnitt der Jahresgänge für fünftägige nichtüberlappende Mittelwerte für vier beliebig ausgewählte Stationen mit Mittelwert (durchgezogene Linien), 66% Bereich (gepunktet) , 95% Bereich (gestrichelt). Stationen, siehe Paneltitel. Daten sind von http://climexp.knmi.nl/ und über alle verfügbaren Jahre ausgewertet.

Er zitiert die Bauernregel “Werden die Tage länger, wird der Winter strenger”. Vertraue ich der Arbeit (auch hier und hier, alles PDFs) von John Bye von der Universität in Melbourne und meinen alten Kollegen am meteorologischen Institute der Uni Hamburg, dann ist die Verzögerung zwischen den Sonnenwenden und den Extrema der Temperatur im Winter bei uns so in der Größenordnung von 30 Tagen. Somit hat der Bauer recht, wenn er den größten Frost im klimatologischen Mittel eher nicht schon zu Weihnachten erwartet.

Der Spiegel-Artikel zitiert den Chef der DWD-Klimaanalyse, dass es zwischen 5. bis 14. Januar häufiger mild und vom 15. bis 26. Januar häufiger kalt sei. Das mag sein. Aus den Jahresgängen aufeinanderfolgender fünftägiger Mittelwerte der Zeitreihen ausgewählter Stationen geht das nicht zwangsweise hervor (siehe Abbildung 1). Die Daten sind im Climate Explorer des “Koninklijk Nederlands Meteorologisch Instituut” erhältlich. Wie gesagt, diese Betrachtungsweise ist zu einfach, um nicht zu sagen zu faul. Einerseits sind die Stationen nicht repräsentativ, und die Jahresgänge beantworten nicht wirklich die Frage, wie hier die Häufigkeitsverteilungen von kalten und milden Temperaturen in diesen Zeiträumen wären.

Bojanowski schreibt von drei winterlichen Phasen: dem 5.-10. Februar, dem 19. bis 24. Februar und der Zeit vom 3. bis 8. März. Erneut zeigt Abbildung 1 davon wenig. So kann es durchaus sein, dass diese Phasen entweder häufiger kalt sind als andere Phasen oder auch häufiger kalt als mild. Schauen wir also dann doch noch mal auf eine einfache Visualisierung von Häufigkeiten.

Abbildung 2: Häufigkeiten für 1 Grad Abstände für vier beliebig ausgewählte Stationen (siehe Paneltitel) für fünftägige nichtüberlappende Mittelwerte für einen Auszug aus dem Jahresgang. Hier sind für alle Panele nur die Jahre 1958 bis 2013 berücksichtigt.

Abbildung 2: Häufigkeiten für 1 Grad Abstände für vier beliebig ausgewählte Stationen (siehe Paneltitel) für fünftägige nichtüberlappende Mittelwerte für einen Auszug aus dem Jahresgang. Hier sind für alle Panele nur die Jahre 1958 bis 2013 berücksichtigt.

Zur Wiederholung: eher kalt sollen sein die Pentaden 4 und 5 eines Jahres, sowie die 8., 11. und 13. Tatsächlich fällt auf, dass es Ende Februar Anfang März wohl häufig Winterphasen gibt (Abb. 2). Ende Januar und Anfang Februar allerdings würde ich da anhand von Abbildung 2 keine klaren Aussagen machen wollen, wenn wir mal vom Hohenpeißenberg absehen. Zumindest in Köln scheinen die Tage bis zum 25. Januar häufig um die 0°C zu sein.

Ein interessanter Punkt aus dem Artikel wird auch von Emily Black für die zentralenglischen Temperaturen gezeigt. Auf einen warmen Januar folgt mit gewisser Wahrscheinlichkeit ein warmer Februar. Aber wie die Häufigkeitsverteilungen andeuten.

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